Hund im heißen Auto? So reagieren Sie richtig
©PK-Photos - iStockDie sommerlichen Temperaturen steigen in die Höhe. Was den einen Ausflugslust bereitet, birgt für Vierbeiner enorme Gefahren. Besonders das Auto kann schnell zur Todesfalle werden. MEINRECHT klärt auf, wie Sie reagieren sollten, wenn Sie einen Hund im überhitzten Auto auffinden.
Das Wichtigste in Kürze:
Autos können bei erhöhten Außentemperaturen sehr schnell aufheizen und zu einer großen Gefahr für zurückgelassene Hunde werden.
Wer einen Hund im Auto entdeckt, sollte den oder die Halter*in ausfindig machen oder die Polizei verständigen, um das Tier befreien zu lassen.
Selbst dürfen Rettungsmaßnahmen nur im Notfall vorgenommen werden – wenn Halter*in oder Polizei nicht rechtzeitig zur Stelle sind.
Nach der Befreiung des Hundes kommt es auf die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen an, um den Gesundheitszustand zu verbessern.
Wer seinen Hund im Sommer im Auto zurücklässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert Bußgelder bis zu einer Höhe von 25.000 Euro.
Warum Hitze im Auto so gefährlich ist
Gerade im Sommer kann sich ein Auto schnell aufheizen. Bereits nach wenigen Minuten erreicht der Innenraum Temperaturen von über 30 Grad – und die 40-Grad-Marke ist in der Regel schon nach einer halben Stunde geknackt. Dabei hilft es auch nicht, ein Fenster zu öffnen oder das Fahrzeug im Schatten abzustellen.
Das Problem ist: Hunde besitzen kaum Schweißdrüsen und regulieren ihren Wärmehaushalt fast ausschließlich über das Hecheln. Je höher die Raumtemperatur, desto schwieriger wird die Wärmeregulation für das Tier. Die Folge: Eine starke Überhitzung des Tierkörpers bis hin zum Hitzschlag, der nicht selten zum Tod führt.
Hund im heißen Auto: Die richtigen Schritte
Entdecken Sie an einem Sommertag einen im Auto zurückgelassenen Hund, sollten Sie nicht zögern und bei Anzeichen für Überhitzung umgehend die richtigen Schritte einleiten. Je schneller Sie handeln, desto höher sind die Chancen, das Tier zu retten. Anzeichen für Überhitzung sind zum Beispiel: apathisches Verhalten (wirrer, unstetiger Blick), starkes Hecheln, gerötete und heiße Ohren.
So gehen Sie richtig vor:
Halter*in ausfindig machen: Versuchen Sie zunächst, den oder die Halter*in des Tieres zu finden – zum Beispiel in naheliegenden Geschäften oder Häusern.
Verständigung der Polizei oder des Ordnungsamtes: Ist die Suche nach dem oder der Halter*in erfolglos, sollten Sie umgehend die Polizei oder das Ordnungsamt verständigen. Diese sind im Ernstfall dazu berechtigt und auch verpflichtet, das Tier aus der gefährlichen Situation zu befreien.
Keine rechtzeitige Hilfe? Selbst aktiv werden: Ist anderweitige Hilfe – durch Halter*in oder die Polizei – nicht rechtzeitig an Ort und Stelle ist, nehmen Sie aktive Rettungsmaßnahmen selbst vor.
Dürfen Sie die Scheibe einschlagen?
Selbst einschlagen dürfen Sie die Scheibe des Autos nur im Notfall – wenn die Gefahr für das Tier besonders hoch ist und es während der Wartezeit sterben könnte. Nur dann ist das Einschlagen der Scheibe auf eigene Faust gerechtfertigt. Und nur dann machen Sie sich nicht wegen einer Sachbeschädigung strafbar.
Dennoch gilt: Wie auch bei Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten Sie nicht untätig bleiben, wenn die Gesundheit des Tieres ernsthaft in Gefahr ist. Das kann auch eine Sachbeschädigung rechtfertigen.
Dabei sollten Sie auf Folgendes achten:
Sie müssen vorab die Polizei verständigt haben – fragen Sie diese im Zweifel, ob Sie die Scheibe schon selbst einschlagen dürfen.
Suchen Sie sich Passanten als Zeugen, um zu beweisen, wie groß die Gefahr war.
Nehmen Sie ein Seitenfenster, um den Schaden gering zu halten.
Tier befreit: So können Sie nun helfen
Haben Sie oder die Polizei den Hund aus dem Auto gerettet, ist die Rettungsaktion in der Regel noch nicht abgeschlossen. Das Tier hat in dem heißen Auto in der Regel stark gelitten, sodass weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig sind, um das Leben des Hundes zu retten.
Das sind die wichtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen:
- 1.
Bringen Sie den Hund an einen kühlen und schattigen Ort.
- 2.
Bieten Sie dem Hund handwarmes Wasser an, wenn er noch bei Bewusstsein ist.
- 3.
Legen Sie den Hund auf ein feuchtes Handtuch oder befeuchten Sie ihn an den Beinen beginnend, um die Körpertemperatur zu senken. Übergießen Sie den Hund nicht mit eiskaltem Wasser. Dies kann zu einem Kreislaufschock führen.
- 4.
Rufen Sie einen Tierarzt oder eine Tierärztin oder alarmieren Sie die Tierrettung, um eine fachgerechte Behandlung des Tieres sicherzustellen.
Wichtig: Legen Sie niemals nasse Handtücher auf den Hund – darunter staut sich die Hitze, sodass das Tier nicht gekühlt, sondern vielmehr aufgewärmt wird.
Bottrop: Hund aus Auto gerettet
Auf dem Parkplatz des Movieparks in Bottrop entdeckten Besucher*innen einen Hund, der vermutlich mehrere Stunden in einem völlig überheizten Auto zurückgelassen wurde. Sie zögerten nicht und verständigten umgehend die Polizei – und fragten diese, ob sie die Fensterscheibe selbst einschlagen dürften.
Gesagt, getan: Die Besucher*innen konnten den Hund retten, welcher anschließend zur Überwachung in eine Tierklinik gebracht wurde. Gegen den Hundehalter möchte das Veterinäramt nun eine Strafanzeige stellen.
Was droht, wenn man den Hund im Auto lässt?
Einen Hund im Sommer im Auto zurückzulassen, stellt einen Verstoß gegen das Tierschutzrecht dar.
So regelt …
§ 8 Abs. 2 Nr. 3 Tierschutz-Hundeverordnung, dass für angemessene Lufttemperaturen gesorgt werden muss, wenn ein Hund ohne Aufsicht im Auto verbleibt.
§ 18 Abs. 1 Nr. 1 Tierschutzgesetz, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt, wenn einem Tier vorsätzlich oder fahrlässig ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt wurden – wofür Geldbußen von bis zu 25.000 Euro drohen.
Außerdem muss der oder die Halter*in für sämtliche Kosten aufkommen, die durch den Polizei- oder auch Feuerwehreinsatz entstehen – einschließlich der eingeschlagenen Scheibe.
Fazit: Hunde gehören bei Hitze nicht ins Auto
Wer in der Sommerhitze einen Hund im Auto entdeckt, sollte nicht lange zögern und die richtigen Maßnahmen ergreifen, um das Tier zu befreien. Sind Halter*in oder Polizei nicht rechtzeitig vor Ort und besteht für das Tier besonders große Gefahr, können Sie selbst eingreifen. Für Halter*innen gilt, das Tier im Sommer im Auto niemals zurückzulassen – denn dies kann schnell zur Lebensgefahr werden.
Quellen:
Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung Nordrhein-Westfalen, Gefahr durch Hitze: Bei sommerlichen Temperaturen wird das Auto schnell zur Todesfalle (abgerufen am 15. Juli 2026)
PETA, Hund bei Hitze im Auto – So können Sie helfen (abgerufen am 15. Juli 2026)
VETO Magazin, Hund im heißen Auto – Rechte und Pflichten (abgerufen am 15. Juli 2026)
WDR, Besucher retten Hund aus aufgeheiztem Auto (abgerufen am 15. Juli 2026)

Lilly Keymel
steht kurz vor dem ersten juristischen Staatsexamen und hat schon zu Schulzeiten großen Gefallen am Recherchieren und Schreiben gefunden. In juristischen Themen ist sie zu Hause und ergänzt damit perfekt das Autor:innenteam von MEINRECHT.



