Wander-Boom: Hype mit Risiken?
©Imgorthand - iStock Wandern gilt als eine der beliebtesten Freizeit-Aktivitäten: Mehr als 39 Millionen Menschen gehen laut Deutschem Alpenverein regelmäßig auf Tour. Allerdings nimmt auch die Zahl der Wanderunfälle zu. MEINRECHT zeigt auf, wie Sie Ihre Wanderung richtig planen und sicher unterwegs sind.
Das Wichtigste in Kürze:
Social Media treibt Wander-Trend an und sorgt oft für falsche Eindruck.
Die Zahl der Notfälle in den Bergen nimmt weiter zu.
Wer wandert, trägt das Risiko typischer Gefahren selbst.
Selbstüberschätzung und falsche Ausrüstung können zu gefährlichen Situationen führen.
Eine gute Vorbereitung der Wanderung kann vor Unfällen schützen.
Wandern für Likes?
Social-Media-Kanäle wie Instagram, TikTok & Co. treiben den Wander-Trend zusätzlich an. Spektakuläre Gipfelfotos vermitteln den Eindruck, dass jede*r ohne Vorbereitung alpine Abenteuer meistern kann. Genau darin kann aber auch eine Gefahr liegen.
Mehr Wanderer, mehr Unfälle
Mit der steigenden Beliebtheit des Wanderns nehmen auch die Unfälle zu. In der Alpinsaison 2024/2025 registrierte etwa das österreichische Bundesministerium für Inneres rund 10.900 Notfälle in den Bergen – ein Plus von 15 Prozent.
Bereits 2024 verzeichnete die Alpinunfallstatistik fast 14.000 Verunfallte, die meisten tödlichen Unfälle passierten beim Wandern und Bergsteigen. Häufigste Ursachen sind Stürze, Selbstüberschätzung und Wetterumschwünge. Viele Notrufe betreffen sogar Personen, die nicht verletzt, aber schlicht überfordert sind.
Skifahren: verletzungsanfälligste Sportart
Eine andere Bergsportart ist ähnlich riskant: Skifahren ist nach dem Fußball die verletzungsanfälligste Sportart. Jeder fünfte Unfall passiert laut Gesamtverband der Versicherer (GDV) auf Ski. Knieverletzungen sind beim Skifahren am häufigsten. Es folgen Schulter-, Kopf- und Halsverletzungen. Laut GDV mussten in der Saison 2024/25 hochgerechnet 51.000 bis 53.000 Skifahrer*innen ärztlich behandelt werden.
Zugspitze: zweites Gipfelkreuz für sichere Selfies
Der Andrang auf bekannte Ziele wie die Zugspitze hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und damit auch die Gefahr von Unfällen. Auch auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, kam es immer wieder zu gefährlichen Situationen: So ist das Gipfelkreuz der Zugspitze auf 2.962 Metern Höhe ein beliebter Selfie-Spot. Es steht auf einem Felsen und ist nur über einen Klettersteig erreichbar – am besten mit Wanderschuhen.
Viele Tourist*innen sind dort aber in ungeeignetem Schuhwerk wie Flipflops oder Turnschuhen unterwegs. Zudem drängten sich zu viele Menschen um das Kreuz, um Fotos zu schießen und es mit Aufklebern zu bekleben. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, wurde im Juli 2025 ein zweites Gipfelkreuz aufgestellt. Es ist überdacht und in der Gipfelstation sicher für alle erreichbar, die ein Selfie schießen möchten.
Umgestürzter Baum: kein Schadenersatz
Grundsätzlich gilt: Wer wandert, trägt das Risiko typischer Gefahren selbst. So hat der Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde hinsichtlich des so genannten „Harzer-Hexen-Stieg-Urteils“ des Oberlandesgericht Naumburg zurückgewiesen (Az: V1 ZR357 / 21). Hintergrund: Einem Kläger, der während einer Wanderung auf dem Harzer-Hexen-Stieg im Jahr 2018 von einem umstürzenden Baum erfasst und dabei schwer verletzt wurde, steht kein Schadensersatz zu. Das Urteil zeigt, dass touristisch beworbene Wanderwege wie die „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“ juristisch ebenso behandelt werden wie andere Wanderwege.
Mitte Dezember 2020 hatte das Oberlandesgericht Naumburg bereits ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Magdeburg bestätigt und die Berufung des Klägers zurückgewiesen. Dem Kläger stehe kein Schadensersatz zu, weil sich mit dem Umsturz des Baumes eine „waldtypische“ Gefahr verwirklicht habe, für die die beklagte Stadt auch auf Wanderwegen nicht hafte (15.12.2020, Az.: 2 U 66/20).
So bereiten Sie sich richtig auf Ihre Wanderung vor
Wie beim Skifahren gilt auch bei Wanderungen: Die richtige Vorbereitung ist das A&O. Folgende Punkte können dabei helfen:
Planen Sie die Tour realistisch (Kondition, Schwierigkeit).
Prüfen Sie den Wetterbericht.
Nutzen Sie die geeignete Ausrüstung (feste Schuhe, Karte, Notfallset).
Vermeiden Sie riskante Touren alleine.
Bleiben Sie auf den markierten Wegen.
Planen Sie Notrufmöglichkeiten ein.
Welche Versicherungen sinnvoll sind
Gerade bei Wanderunfällen können hohe Kosten entstehen – etwa für Bergrettung oder Haftungsfragen. Empfehlenswert sind:
Private Unfallversicherung
Haftpflichtversicherung
Auslandskrankenversicherung (bei Touren im Ausland)
gegebenenfalls spezielle Bergsport- oder Mitgliedschaften (beispielsweise im Deutschen Alpenverein)
Fazit: Beliebt aber riskant
Wandern bleibt eine der gesündesten und beliebtesten Freizeitaktivitäten. Doch der Social-Media-Hype und Selbstüberschätzung machen sie riskant. Wer gut vorbereitet ist und seine Grenzen kennt, kann die Wanderung entspannt genießen.
Quellen:
Bundesministerium Inneres, Alpineinsätze (abgerufen am: 13.04.2026)
Zugspitze, Skisaison auf der Zugspitze startet – Das Gipfelkreuz kehrt zurück (abgerufen am: 13.04.2026)
Tourismusnetzwerk Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung: Urteil zu Unfall auf Harzer-Hexen-Stieg rechtskräftig (abgerufen am: 10.04.2026)

Frauke Stamm
Als Kommunikations-Expertin mit langjähriger Erfahrung recherchiert sie spannende Rechtsfragen aus dem Alltag und beantwortet diese auf meinrecht.de.



